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Ein Projekt der
Stiftung Kindergesundheit



Alltag & Entspannung – spielerische Entspannung im Kindergarten

Der  heutige Alltag vieler Menschen ist geprägt von Hektik und zeitlich eng organisierten Abläufen. Längere Entspannungs- bzw. Ruhephasen kommen daher oft zu kurz. Auch unsere Kinder spüren schon im Vorschulalter, wie der Alltag wenig Raum für Erholung und Entspannung bietet. Das heutige Kindesalter wird oftmals bestimmt von:

  • Informationsflut/Reizüberflutung, die besonders kleinere Kinder nicht so schnell verarbeiten können
  • Das Fehlen von nötigen Grünflächen und andere Freiräume zur freien Bewegung im städtischen Raum
  • Die Schnelllebigkeit im Alltag durch Termindruck oder Freizeitstress
  • Durchstrukturierte Hobbies und Freizeitverpflichtungen der Kinder
    Veränderte Familienstrukturen – Freizeit wird mehr außer Haus verbracht, höhere Anzahl von Alleinerziehenden und Patchwork Familien
Spielerische Entspannung im Kindergarten

In der Praxis zeigen Kinder mehr Verhaltensauffälligkeiten, vor allem im sozialen Bereich: Kinder werden aggressiv, kontaktscheu, in sich gekehrt oder nervös und sind ängstlich. Eltern, ErzieherInnen und ÄrztInnen berichten von einer Zunahme unruhiger, ruheloser und unkonzentrierter Kinder.

Mögliche Köperreaktionen bei negativem Stress reichen von Zittern, Stottern, Rückenschmerzen, Finger trommeln, Nägelkauen bis hin zu Kopf-oder Bauchschmerzen, höhere Atem/Pulsfrequenz sowie verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen. (Quelle: Wagner-Link, 2001 Aktive Entspannung und Stressbewältigung. 5. Aufl. Renningen-Malmsheim: expert-Verlag)

Was können Eltern konkret tun, um das Stresspotential ihrer Kinder im Alltag zu senken und ihnen dadurch wichtige Auszeiten für den Organismus zu schenken?


• Feste Rituale beibehalten bzw. einführen – z.B. Schlaf-Geh Rituale mit Vorlesen, Massagen und Kuscheln, Aromaöle zum Einschlafen auf ein kleines Kissen tropfen oder ein Bad nehmen (Lavendelöl beruhigt), Fantasie oder Traumreisen, bzw. Stilleübungen vor dem Zubettgehen,
• Morgens gut vorbereitet und ruhig in den Tag starten
• Gemeinsame Mahlzeiten zum Austauschen der Tageserlebnisse
• Den Kindern am Wochenende ohne Zeitdruck Freiraum zum Spielen gewähren und Termine bzw. Verabredungen einschränken
• Gemeinsames Backen und Kochen der Lieblingsgerichte und Verzehr mit der gesamten Familie bei Kerzenlicht
• Gemeinsames Basteln, Malen oder Singen oder ruhige Musik spielen
• Zusammen mit den Kindern einfache Yogaübungen erlernen (im Kinderyoga kann man kindgerechte Positionen wie Katze, Hund, Delphin, Löwe  üben)
• Miteinander die Natur erleben (Kinder lieben es einfach nur Steine oder Blätter zu sammeln oder auch bloß in aller Ruhe am Bach zu spielen)

Versuchen Sie einmal Ihren Alltag zu analysieren und gemeinsam zu überlegen, wie Sie ihn ruhiger bzw. „entschleunigt“ gestalten können. Kinder spiegeln den Gemütszustand der Eltern wieder. Wenn Sie für eine entspannte harmonische Grundstimmung bei sich selbst sorgen, leben Sie Ihren Kindern eine entspannte Grundhaltung vor.

 

Was ist eigentlich Entspannung?

Wenn wir entspannt sind, haben wir ein Gefühl der inneren Ruhe und des Wohlbefindens. Wir sind gelöst und ausgeglichen. Entspannung betrifft den ganzen Menschen, d.h. man kann nicht seelisch angespannt und körperlich entspannt sein oder umgekehrt. Durch eine seelische Entspannung, entspannen sich auch die Muskeln und man ist ausgeglichener.
Entspannung bezeichnet einen körperlich und geistig spürbaren und messbaren Zustand, der als Gegenpol zur Anspannung gilt. Entspannung kann bewusst durch Entspannungstechniken hervorgerufen werden. Eine Einteilung der Entspannungstechniken (nach dem Aspekt der Unterscheidung von körperlicher Aktivität oder Passivität) kann wie folgt getroffen werden:

• aktive Verfahren (z.B. Progressive Muskelentspannung, Tai Chi, Yoga)
• passive Verfahren (Autogenes Training, Biofeedback und Meditation)

Spielerischer Umgang mit Entspannung im TigerKids Programm

Der Kindergarten ist ein idealer Ort, um den Kindern schon in jungen Jahren spielerisch Entspannung zu vermitteln und ihnen dadurch inmitten einer schnelllebigen Umwelt Ruheinseln zu schaffen. Aus diesem Grunde hat die Stiftung Kindergesundheit im Rahmen von TigerKids ein innovatives Modul zur Entspannung im Kindergarten entwickelt. Einen kleinen Einblick dazu, wie Ihre Kinder von nun an im TigerKids-Kindergarten an die unterschiedlichen Entspannungstechniken heran geführt werden, erhalten Sie im Anschluss.

Kein Kind kann den ganzen Tag aktiv sein oder ruhig sitzen. Richard DeGrandpre (2003), ein Psychologie- Professor in Vermont  bringt die gesellschaftliche Entwicklung auf den Punkt: Er spricht von einem „Verlust der Langsamkeit“. Die Kinder wachsen in einer „beschleunigten“ Gesellschaft auf und werden vom Wettlauf mit der Zeit aufgerieben.

TigerKids Entspannung ist speziell auf Kinder ausgerichtet und stärkt die Fähigkeit, sich zwischen Anspannung und Entspannung einpendeln zu können. Weiterhin tragen Persönlichkeitsentwicklung und die Fantasie jedes einzelnen Kindes auch zu einer positiven harmonischen Gruppensituation bei.

Das komplette TigerKids Entspannungsprogramm umfasst 20 Einheiten zur Kinderentspannung, die wöchentlich in Gruppen von 8-10 Kindern im Bewegungsraum durchgeführt werden können. Elemente aus Tai Chi, Yoga, Qigong und autogenem Training, progressive Muskelrelaxation, Traumreisen und Entspannungsmusik werden spielerisch in 45 minütige Einheiten aufgenommen. Gemeinsame Regeln und Rituale bestimmen den Ablauf der Einheiten.


Beispiel Fantasiegeschichte mit dem Tiger: Insel im Dschungel


Die Kinder legen sich auf den Rücken und schließen die Augen. Sie erzählen:

„Ich bin ganz still, weil ich in das Tigerland will.“
Stell dir vor, du liegst im Dschungel auf weichem Gras. Du hast die Augen geschlossen und spürst die Ruhe um dich. Gras wiegt im Wind, Vögel singen ringsum. Du spürst die Ruhe in dir. Dein Atem geht ein und aus, ein und aus, ganz ruhig und gleichmäßig, ganz von allein. Mit jedem Atemzug spürst du deine Schwere angenehm auf dem Boden. Mit jedem Atemzug fühlst du die Wärme in dir. So sinnst du vor dich hin – da plötzlich flattert ein bunter Schmetterling gerade vor deine Nase. „Hallo“, sagt er, „ich bin dein Freund und will dir den Weg zu deiner geheimen Insel im Dschungel zeigen.
Der Weg führt euch durch den Dschungel, vorbei an Palmen und Kokosnüssen. Du folgst dem Schmetterling zwischen den Bäumen, bis ihr an den Fluss kommt. Am Ufer liegt ein Floß angebunden und schwankt leicht auf dem Wasser.
Du steigst auf das Floß. Leicht schwankt es unter deinem Gewicht. Der Schmetterling flattert zu einer Palme. An einem der Äste hängt eine winzige Glocke. Der Schmetterling bimmelt mit einem Fühler daran. Silberhell klingt es über das Wasser. Und da taucht am Flussufer auch schon ein Äffchen auf. Das ist der Fährmann. Er lenkt das Floß und zieht es hinüber zur Insel. Bald seid ihr angekommen. Du springst ans Ufer. Das Äffchen bindet das Floß fest, grinst dich mit seinen großen Zähnen an und verschwindet wieder auf einer Palme.
Das hier ist deine Insel. Wie sie genau aussieht, das weißt nur du. Vielleicht gibt es einen großen Berg auf der Insel, und du steigst hinauf und schaust über die Welt. Vielleicht sind da aber auch nur wunderschöne bunte Blumen, etwas dir schon lange Bekanntes, wo es dir gefällt, oder etwas völlig Unbekanntes, das du dir selbst ausgedacht hast. Es ist deine Insel der Ruhe. In jedem Ding hier findest du Ruhe und Kraft. Geh umher, schau dir alles gut an und schöpfe dir Ruhe und Kraft.
Die Kinder dürfen mit geschlossenen Augen noch einen Moment liegen bleiben und sich ihre Insel vorstellen. Dann schlagen Sie die Klangschale an und sobald die Kinder keinen Ton mehr hören, öffnen sie die Augen und setzen sich auf. Die Kinder recken und strecken sich und kommen wieder im Raum an. Dann dürfen sie berichten, wie ihre Insel ausgesehen hat – was das Besondere an ihrer Insel im Tigerland ist!

Das bisherige Feedback der Erzieherinnen ist sehr positiv!
Auch die Kinder sind mit Begeisterung dabei und gehen mit dem Tiger im Tigerland auf Traumreisen, aus denen sie entspannter und harmonischer zurückkehren.

 

Fazit: Neben gesunder Ernährung und Bewegung in Kindergarten und Alltag, ist Entspannung ein maßgeblicher Faktor, der das Wohlbefinden unserer Kinder bestimmt.


Es liegt also auch in der Hand der Eltern, wie sie ihren gemeinsamen Alltag mit den Kindern gestalten, sodass Ruhephasen und weniger Hektik das Familienleben bestimmen. Im Kindergarten können Entspannungsphasen zusätzlich zu mehr Ruhe und Ausgeglichenheit der Kinder führen, was auch eine positive Auswirkung auf die Gruppe hat.


Nur im ruhigen Teich spiegelt sich das Licht der Sterne.
(Chin. Sprichwort)

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